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Rasenpflege

Rollrasen: Das Gartenbau.org Experteninterview

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026
Lesedauer: 12 Minuten
© Igor Khramtsov / istockphoto.com

Der Weg von der landwirtschaftlichen Anbaufläche bis zum perfekten Rollrasen-Grün im Garten erfordert präzise Planung und Fachwissen. Benedikt Wullengerd kennt die Feinheiten der Rasenkultivierung ebenso wie die kritischen Momente beim Transport und der anschließenden Bewässerung. Im Interview mit Gartenbau.org erklärt der Vorsitzende des Deutschen Rollrasenverbandes e. V., wie man hitzebedingte Schäden vermeidet und den Rasen nach dem Verlegen optimal pflegt.


Rollrasen-Experte Benedikt Wullengerd, Vorsitzender des Deutschen Rollrasenverbandes e. V., steht lächelnd auf einer grünen Rasenfläche.

ÜBER UNSEREN GARTENBAU.ORG ROLLRASEN-EXPERTEN

Benedikt Wullengerd führt gemeinsam mit seinem Bruder Raphael den Familienbetrieb Rasenhof Wullengerd im ostwestfälischen Gütersloh. Auf rund 90 Hektar Anbaufläche dreht sich hier alles um die Aufzucht, Ernte und den Vertrieb von hochwertigem Fertigrasen. Doch Benedikt Wullengerd beschäftigt sich nicht nur im eigenen Betrieb mit dem perfekten Grün. Als Vorsitzender des Deutschen Rollrasenverbandes e. V. vertritt er auch die Interessen der deutschen Rollrasenproduzenten. Dabei setzt er sich intensiv mit Themen wie nachhaltiger Rasenaufzucht, zunehmender Hitze und Trockenheit sowie der richtigen Rasenpflege auseinander.


Herr Wullengerd, wie kann man sich denn die Herstellung von Rollrasen vorstellen? Gibt es da ganze Felder, die geschnitten und aufgerollt werden? 

Ja, das kann man so sagen, aber grundsätzlich ist das eigentlich nichts anderes als im Privatgarten, nur eben auf landwirtschaftlichen Ackerflächen. Von der Größe her sprechen wir je nach Betrieb von Flächen mit bis zu 50 Hektar an einem Stück. Als Beispiel: In unserem Betrieb sind es insgesamt rund 90 Hektar, verteilt auf 20 verschiedene Flächen.

Spielt der Klimawandel auch bei der Rollrasenzucht eine Rolle? 

Zunehmende Hitze und Trockenheit sind auch für Rollrasenproduzenten ein großes Thema. Gerade nach besonders heißen Sommern steigt die Nachfrage nach robusteren, trockenheitsverträglichen Gräserarten. Darauf müssen sich die Produzenten zunehmend einstellen und ihre Anbaumethoden entsprechend anpassen. Man beginnt hier verstärkt mit anderen Gräserarten zu arbeiten, beispielsweise mit Rohrschwingel. Dieser wurzelt etwas tiefer als herkömmlicher Rasen und ist wesentlich regenerationsfreudiger. Allerdings hat er auch den Nachteil, dass er im Winter etwas mehr an Farbe verliert.


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Was kostet hochwertiger Rollrasen?

Rollrasen kostet je nach Region und Qualität zwischen vier und sechs Euro pro Quadratmeter. Es gibt hier unterschiedliche Sorten, beispielsweise schattenverträgliche Varianten oder Rasen mit Rohrschwingel. Diese liegen preislich etwa einen Euro pro Quadratmeter höher.


Eine teils ausgerollte Rolle Rollrasen bei der Verlegung in einem Garten.

ROLLRASEN VERLEGEN KOSTEN

Rollrasen ist schnell verlegt und kann Ihren Garten in Windeseile in ein grünes Paradies verwandeln. Aber ist das nicht sehr teuer? Wir beleuchten die Kostenfaktoren und helfen Ihnen, eine realistische Kostenschätzung für Ihr Projekt zu erstellen.

© Gartenbau.org


Woran kann ein Laie einen frischen, hochwertigen Rollrasen erkennen? 

Frischen, hochwertigen Rollrasen erkennt man vor allem daran, dass das Gras durchgehend grün ist und auch im unteren Bereich keine gelben Stellen aufweist. Sind dort bereits Verfärbungen zu erkennen, deutet das nämlich darauf hin, dass der Rasen schon länger aufgerollt liegt.

Wie lange darf der Rollrasen denn aufgerollt sein? 

Am besten verlegen Sie den Rollrasen noch am Tag der Anlieferung beziehungsweise innerhalb von maximal 24 Stunden. Um Risiken zu vermeiden, empfiehlt es sich, einen Produzenten aus der Nähe zu wählen, der den Rasen morgens frisch erntet. Alternativ gibt es die Möglichkeit, den Rollrasen mithilfe einer Vakuumkühlung auf wenige Grad herunterzukühlen, wodurch er sich im Sommer ein bis zwei Tage länger lagern lässt. Problematisch wird es vor allem, wenn sich der Rollrasen auf der Palette zu stark erwärmt. Durch die Hitze werden die Eiweißmoleküle geschädigt, was dazu führt, dass sich das Gras gelb verfärbt und anschließend nicht mehr grün wird. Gerade bei hohen Temperaturen ist es daher wichtig, dass die aufgerollten Bahnen nicht zu lange auf der Palette liegen.

Eine Rasenaussaat wird ja für Frühjahr oder Herbst empfohlen, gelten diese Zeiten für einen Rollrasen auch? 

Bei einer klassischen Rasenaussaat müssen Sie viel stärker auf den richtigen Zeitpunkt achten, Rollrasen dagegen kann man grundsätzlich das ganze Jahr über verlegen. Frühjahr und Herbst sind zwar die besten Zeitpunkte, aber wenn Sie auf ein paar Dinge achten, dann ist selbst das Verlegen im Hochsommer möglich. Allerdings benötigt der Rasen bei hohen Temperaturen deutlich mehr Wasser und sollte keinesfalls zu lange auf der Palette liegen. Bei über 30 Grad kann da nämlich ein Tag schon zu viel sein. Auch Ende Oktober ist übrigens ein guter Zeitpunkt, denn dann hat der Rasen die Chance, vor dem Winter anzuwachsen. Und selbst danach können Sie Rollrasen noch verlegen. Wenn es friert, wächst er zwar nicht mehr an, bleibt aber über den Winter schön grün. Sobald die Temperaturen im Frühjahr wieder steigen, beginnen zuerst die Wurzeln zu wachsen, bevor das oberirdische Wachstum einsetzt. Bei einer klassischen Rasenaussaat ist man einfach stärker an die Jahreszeiten gebunden. Rollrasen bietet hier deutlich mehr Flexibilität.



Rollrasen gilt als die Edel-Lösung für den Garten. Ab wann lohnt sich denn Fertigrasen im Vergleich zur klassischen Einsaat wirklich und welche Vorteile hat er?

Rollrasen lohnt sich besonders bei kleineren Flächen, weil der Preisunterschied dort nicht so stark ins Gewicht fällt. Ein großer Vorteil ist, dass der Rasen sofort begehbar ist. Nach zwei bis drei Wochen ist er im Normalfall vollständig angewachsen. Hinzu kommt, dass Rollrasen bereits unkrautfrei ist, sodass man direkt eine saubere, geschlossene Rasenfläche bekommt. Entscheidend ist aber, dass Sie bei der Auswahl auf den Standort achten. Fragen Sie sich, ob die Fläche sehr sonnig ist oder eher im Schatten liegt und wählen Sie die Sorte danach aus. Natürlich braucht jedes Gras Licht, aber es gibt zum Beispiel Grassorten, die mit rund zwei Stunden weniger Licht am Tag auskommen als andere. Sobald der Rollrasen vollständig angewachsen ist, macht es bei der Pflege keinen Unterschied mehr, ob Sie einen ausgesäten Rasen oder einen Rollrasen haben. Der langfristige Pflegeaufwand ist grundsätzlich vergleichbar.

Das heißt, nach spätestens drei Wochen kann man auf dem Rollrasen herumtoben und sogar Fußball spielen? 

Ja, das ist normalerweise möglich. Sobald der Rasen angewachsen ist, ist er voll belastbar. Ist er noch nicht angewachsen, sollte man nicht abrupt auf dem Rasen abbremsen. Sonst können sich die einzelnen Rasenrollen anfangs noch verschieben.

Man stellt sich das ja so einfach vor: Rollrasen ausrollen, fertig ist der Garten …

Das reine Verlegen ist tatsächlich ganz einfach, der Rasen wird wirklich einfach ausgerollt. Dabei sollten die einzelnen Bahnen schön dicht aneinander liegen, dürfen sich aber nicht überlappen. So arbeitet man sich Bahn für Bahn vor. Was dabei aber sehr wichtig ist, ist die Bodenvorbereitung. Der Boden sollte gleichmäßig fest und gerade sein, bevor der Rollrasen verlegt wird. Außerdem empfiehlt es sich, vor dem Verlegen einen Bodenaktivator oder Dünger einzuarbeiten. Das unterstützt den Rasen dabei, schneller anzuwachsen. Zusätzlich könnte man den pH-Wert des Bodens kontrollieren. Vielleicht liegt nämlich darin bereits der Grund, warum der alte Rasen schlecht ausgesehen hat. Es ist in der Regel besser, den alten Boden entsprechend vorzubereiten statt ihn auszutauschen. Denn Sie wissen ja dann auch nicht, was für einen Boden Sie bekommen.


Ausgerollter Rollrasen auf frisch geharktem Boden, bereit zur Verlegung in einem Garten.

ROLLRASEN UNTERGRUND

Ob neuer Rollrasen, den man in Bahnen geliefert bekommt, wirklich anwächst, dauerhaft gesund bleibt und der Belastung standhält, entscheidet sich nicht an der Oberfläche, sondern im Boden darunter. Wie muss der Untergrund beschaffen sein? Welche Rolle spielen Bodenarten, Verdichtung und Nährstoffgehalt? Und was können Sie tun, um ideale Bedingungen zu schaffen?

© erikreis / istockphoto.com


Und was muss man direkt nach dem Verlegen beachten?

Nach dem Verlegen ist vor allem die richtige Bewässerung entscheidend. Der größte Fehler ist, dass der neue Rasen nicht ausreichend gewässert wird. Das ist bei etwa 99 Prozent der Reklamationen der Grund. In den ersten beiden Wochen sollten Sie den Rollrasen deshalb täglich mit etwa 15 bis 20 Litern Wasser pro Quadratmeter bewässern. Ganz wichtig ist bei heißen Temperaturen den Rasen auch in der Mittagszeit zu gießen, damit er gut anwurzelt und nicht vertrocknet. Ob der Rasen bereits angewachsen ist, können Sie nach ungefähr fünf Tagen überprüfen. Heben Sie dazu vorsichtig eine Ecke an. Lässt sich der Rollrasen nicht mehr so leicht vom Boden lösen und sind bereits weiße Wurzeln zu erkennen, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass er anwächst.

Welche Fehler werden bei der Bewässerung eines (Roll-)Rasens häufig gemacht?

Ein häufiger Fehler bei der Pflege eines bereits angewachsenen Rasens ist das tägliche Bewässern für etwa 20 Minuten, was besonders oft beim Einsatz automatischer Anlagen passiert. Durch diese ständige, aber geringe Wassergabe bildet der Rasen nur kurze Wurzeln aus, denn das genügt ihm ja. Allerdings macht ihn das auch weniger widerstandsfähig. Außerdem entsteht vor allem bei Bewässerungssystemen häufig das Problem, dass sich das Wasser nicht an allen Stellen gleich stark verteilt und die Fläche damit nicht gleichmäßig nass wird. Stattdessen sollten Sie den Rasen erst dann wieder wässern, wenn er anzeigt, dass er trocken wird. Das erkennen Sie daran, dass sich die Farbe vom frischen Grün leicht ins Bläuliche verändert. Ein weiteres Anzeichen für Trockenheit ist, dass sich die Grashalme nach einer Belastung nicht mehr sofort aufrichten, sondern liegen bleiben. Wenn der Rasen diese Signale zeigt, sollte man ausgiebig mit etwa 30 Litern Wasser pro Quadratmeter wässern und anschließend warten, bis sich erneut dieser bläuliche Schleier zeigt. Bei Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad haben Sie nach dem Auftreten der Trockenheitsanzeichen etwa einen Tag Zeit zu handeln. Sonst verbrennt der Rasen.


Ein Rasensprenger bewässert frisch verlegten Rollrasen mit feinem Wassernebel, ein essenzieller Pflegeschritt zur Anwuchsunterstützung und Erhaltung der Rasenqualität.

ROLLRASEN WÄSSSERN

Die Bewässerung des Rollrasens stellt vor allem kurz nach der Verlegung einen essenziellen Bestandteil der Pflege dar. Nur so kann der Rasen kräftig wachsen und ein üppiges Grün bilden. Erfahren Sie daher bei Gartenbau.org, wie Sie den Rollrasen richtig wässern!

© Fahkamram / istockphoto.com


Was kann man tun, wenn der frisch verlegte Rollrasen stellenweise gelb oder braun wird? Lässt sich die Fläche noch retten oder muss man die betroffenen Stellen austauschen?

Normalerweise lässt sich die Fläche schon noch retten, wenn man früh genug reagiert. Gelbe oder braune Stellen können durch Trockenheit oder Nährstoffmangel entstehen und Sie müssen zunächst klären, was die Ursache ist. Es kann zum Beispiel sein, dass das Wasser aufgrund unterschiedlicher Bodenverhältnisse im Garten nicht überall gleichmäßig einzieht. Um das zu überprüfen, können Sie einfach einen Spaten an verschiedenen Stellen in den Boden stecken und nachsehen, ob die betroffenen Stellen tatsächlich ausreichend mehrere Zentimeter tief feucht sind. Außerdem empfiehlt es sich, den pH-Wert des Bodens zu überprüfen. Dieser sollte über fünf liegen, ideal ist zwischen sechs und sieben. Wenn der pH-Wert zu niedrig ist, können Sie nämlich noch so viel düngen. Der Boden gibt die Nährstoffe dann nicht mehr richtig frei, sodass die Pflanzen sie nicht aufnehmen können.

Was ist beim Düngen eines Rollrasens wichtig?

Hier gelten die gleichen Regeln wie bei einem Rasen, den Sie ansäen. Beim Düngen kommt es vor allem auf die Zusammensetzung des Düngers an. Wenn Sie beispielsweise ausschließlich mit Stickstoff düngen, kann es passieren, dass der Rasen dadurch sogar geschwächt wird und sich einen Pilz einfängt. Eine falsche Düngung kann außerdem dazu führen, dass der Rasen im Wachstum beeinträchtigt wird und eine sogenannte Wachstumsdepression entsteht. Ach und übrigens: Viel hilft nicht viel. Es ist durchaus möglich, einen Rasen zu überdüngen und dann verbrennt er Ihnen.


Nahaufnahme eines Rasenmähers mit roten Gehäuse und großen weißen Rädern. Der Rasenmäher steht auf einer frisch gemähten grünen Rollrasenfläche. Im Hintergrund sind ein runder Kiesbereich und kleine Sträucher zu sehen.

ROLLRASEN RICHTIG PFLEGEN

Gerade in den ersten Wochen nach dem Auslegen ist der Rollrasen besonders empfindlich und benötigt intensive Pflege. Nur wer in dieser sensiblen Phase auf die richtige Bewässerung achtet, bedarfsgerecht düngt und den ersten Schnitt zum optimalen Zeitpunkt durchführt, kann sich langfristig an einem gesunden und kräftigen Rasen erfreuen.

© MariuszBlach / istockphoto.com


Wann ist ein erstes Mähen möglich?

Der Rasen sollte vor dem ersten Mähen schon etwas angewachsen sein. Sonst besteht die Gefahr, dass der Rasenmäher die Ecken ansaugt und dadurch Löcher entstehen. Nach ungefähr einer Woche kann man aber im Normalfall schon zum ersten Mal mähen. Dabei sollte man die Halme zunächst höchstens auf etwa fünf bis sechs Zentimeter kürzen, weil sonst der Rasen durch das Zurückschneiden zu stark gestresst wird.



Was sind in Ihren Augen die größten Vorteile von Rollrasen?

Einer der größten Vorteile von Rollrasen gegenüber der klassischen Rasenaussaat ist, dass der Garten nicht nur sofort schön aussieht, sondern man ihn auch direkt wieder nutzen kann. Bei einer Aussaat dauert es zunächst etwa drei Wochen, bis auch die letzten Gräser gekeimt sind. Bei Frühjahrseinsaaten laufen dann noch viele Unkräuter mit auf. Bis die Fläche wirklich wie ein fertiger Rasen aussieht, vergehen insgesamt ungefähr acht Wochen. Wenn Sie erst im Herbst aussäen, können Sie die Fläche unter Umständen sogar erst im darauffolgenden Frühjahr wieder richtig nutzen. Mit Rollrasen haben Sie dagegen sofort eine geschlossene, grüne Rasenfläche, die Sie direkt vorsichtig betreten und nach wenigen Wochen auch stärker belasten können.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone Blaß verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung und berichtet seit mehr als fünf Jahren verstärkt über Garten- und Bauthemen. Ihr Ziel ist es, auch anspruchsvolle Inhalte anschaulich und praxisnah aufzubereiten. Unter anderem führt sie Interviews mit Experten von Verbänden und Hochschulen, um den Lesern verlässliche Orientierung und praxisnahe Tipps für ihre eigenen Gartenprojekte zu bieten. Als Senior-Online-Redakteurin bei Gartenbau.org verfasst die studierte Journalistin Beiträge über alles, was Gärten schöner und funktionaler gestaltet, von der Baumpflege über die Gestaltung von Beeten und Pflanzungen bis zu anspruchsvollen Projekten rund um Brunnen- oder Terrassenbau. Durch ihren eigenen Garten, den sie seit über zehn Jahren pflegt, kennt die Redakteurin die Herausforderungen und Bedürfnisse von Gartenbesitzern aus erster Hand und kann so Inhalte liefern, die direkt auf die Praxis zugeschnitten und leicht umsetzbar sind.