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Rasenpflege

Rasen: Das Gartenbau.org-Experteninterview

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026
Lesedauer: 13 Minuten
© bigtunaonline / istockphoto.com

Rasenflächen gehören zu den wichtigsten Elementen unserer Gärten, Parks und Sportanlagen. Damit sie auch unter den Herausforderungen des Klimawandels ihre vielfältigen Funktionen erfüllen können, gewinnen angepasste Gräsermischungen und nachhaltige Pflegekonzepte zunehmend an Bedeutung. Über diese Entwicklungen hat Gartenbau.org mit Timo Blecher, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft e. V., gesprochen. 


Profilbild von Timo Blecher Vorstand der Deutschen Rasengesellschaft e. V.

ÜBER UNSEREN GARTENBAU.ORG RASEN-EXPERTEN

Der Agraringenieur Timo Blecher engagiert sich seit 2022 im Vorstand der Deutschen Rasengesellschaft e. V. und ist seit 2026 Vorstandsvorsitzender. Die DRG sieht sich als Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Anwendern. Das Ziel Timo Blechers ist es daher, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Rasenforschung in Zeiten des Klimawandels sinnvoll umzusetzen. Dabei geht es nicht um makellose Grünflächen, sondern um belastbare Lösungen für die Zukunft, die nicht nur gut aussehen, sondern auch eine nachhaltige Funktion erfüllen.


Hitzestress und Starkregen sind ein Thema, das nicht mehr zu leugnen ist. Wie muss sich das moderne Rasenmanagement anpassen, um Flächen bei schlagartigem Starkregen funktionsfähig zu halten?

Die wichtigste Grundlage ist eine dichte, vitale und funktionierende Grasnarbe. Gerade bei Starkregenereignissen zeigt sich, wie wichtig ein geschlossener Rasenbestand ist. Ein dichter Rasen kann deutlich größere Wassermengen aufnehmen und versickern lassen als ein lückiger Bestand. Wo die Grasnarbe beschädigt oder ausgedünnt ist, sinkt die Infiltrationsleistung des Bodens deutlich, Oberflächenabfluss nimmt zu und es kann zu Erosion kommen. 

Gilt das auch für Trockenperioden?

Auch bei länger anhaltender Trockenheit oder Hitze sind vitale und gut gepflegte Bestände wesentlich widerstandsfähiger. In der Praxis kann es sinnvoll sein, vor angekündigten Hitzeperioden die Nutzung zu reduzieren und die Schnittfrequenz ein bisschen zurückzunehmen. Etwas höheres Gras beschattet den Boden besser, reduziert die Verdunstung und hilft den Pflanzen, Trockenstress standzuhalten. Letztlich wird das Rasenmanagement künftig noch stärker darauf ausgerichtet sein müssen, die Widerstandsfähigkeit der Flächen gegenüber Wetterextremen zu fördern, statt lediglich auf die kurzfristige Optik zu achten.


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Bei großer Hitze färben sich viele Rasenflächen braun. Bedeutet das, der Rasen ist jetzt kaputt? 

Ein brauner Rasen ist nicht automatisch abgestorben. Viele Rasengräser verfügen über Mechanismen, mit denen sie längere Trockenperioden überstehen können. In solchen Phasen fahren die Pflanzen ihren Stoffwechsel herunter und gehen gewissermaßen in einen Ruhezustand über.


Gärtner kniet auf dichtem grünem Rasen und prüft die Rasenqualität im Sommer.

RASENPFLEGE IM SOMMER

Hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und ausbleibender Regen setzen jeder Grünfläche zu. Wer die Bedürfnisse seines Rasens in den Sommermonaten kennt und Mähen, Düngen sowie Bewässern gezielt aufeinander abstimmt, bringt seine Rasenfläche deutlich besser durch Hitzeperioden.

© ronstik / istockphoto.com


Woran erkenne ich denn, ob sich die Fläche noch erholen kann?

Ob sich die Fläche noch regenerieren kann, zeigt sich meist erst nach dem nächsten größeren Niederschlagsereignis. Treiben innerhalb weniger Tage wieder junge grüne Blätter aus, ist die Grasnarbe in der Regel noch vital. Bleiben hingegen größere Bereiche dauerhaft braun und zeigen auch nach mehreren Wochen keine Regeneration, kann von einem Absterben der Pflanzen ausgegangen werden. Solche Phasen bieten in jedem Fall eine gute Gelegenheit für Nachsaaten. Die verbesserten Feuchtigkeitsbedingungen nach dem Regen fördern nicht nur die Regeneration der vorhandenen Gräser, sondern auch die Etablierung neu eingesäter Pflanzen.

Welche Gräserarten oder -sorten zeichnen sich denn derzeit als besonders zukunftsfähig für den mitteleuropäischen Raum ab?

Bei hochwertigen Rasenflächen bilden weiterhin Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Rotschwingel (Festuca rubra) und Wiesenrispe (Poa pratensis) die wichtigsten Arten. Daran wird sich nach heutiger Einschätzung auch in den kommenden Jahren grundsätzlich wenig ändern. Die Züchtung arbeitet jedoch intensiv daran, diese Arten besser an zunehmende Trockenheit, Hitze und andere Stressfaktoren anzupassen. Als Neuling unter den klassischen Rasenarten ist jedoch der Rohrschwingel (Festuca arundinacea) besonders interessant. Diese Art besitzt ein tiefer reichendes Wurzelsystem und kann Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen. Dadurch übersteht er Trockenphasen oft besser als klassische Rasengräser. 

Früher galt Rohrschwingel aufgrund seines eher groben Erscheinungsbildes als wenig geeignet für ansprechende Rasenflächen. Durch erhebliche züchterische Fortschritte stehen heute jedoch deutlich feinblättrigere und optisch attraktivere Sorten zur Verfügung. Deshalb gewinnt die Art insbesondere bei trockenheitsgefährdeten Standorten zunehmend an Bedeutung.

Untersuchungen zur Trockentoleranz zeigen, dass das Wurzel- und Bodenmikrobiom eine entscheidende Rolle spielt. Welche Erkenntnisse lassen sich bereits heute konkret anwenden?

Das Thema Mikrobiom gehört derzeit zu den spannendsten Forschungsfeldern im Rasenbereich. Zahlreiche Studien zeigen, dass bestimmte Bodenbakterien und Pilze die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegenüber Trockenstress positiv beeinflussen können. Diese Mikroorganismen unterstützen beispielsweise die Nährstoffaufnahme, fördern das Wurzelwachstum oder helfen bei der Regulierung von Stressreaktionen. In der Praxis stehen inzwischen erste Biostimulanzien und Pflanzenstärkungsmittel zur Verfügung, die genau solche Prozesse fördern sollen. Dennoch muss man realistisch sagen, dass sich die Forschung auf diesem Gebiet noch in einer vergleichsweise frühen Phase befindet. Viele Effekte sind vielversprechend, aber noch nicht in jedem Anwendungsfall sicher vorhersehbar.

Aus heutiger Sicht bleibt ein vitaler Boden mit ausreichender Durchlüftung, guter Struktur und einem möglichst aktiven Bodenleben die wichtigste Grundlage. Das Mikrobiom wird künftig sicherlich eine größere Rolle spielen, doch die klassischen Pflegemaßnahmen bleiben weiterhin entscheidend.



Gibt es durch den Klimawandel neu auftretende Rasenkrankheiten und wenn ja, wie kann man ihnen begegnen?

Von völlig neuen, klimawandelbedingten Rasenkrankheiten kann man derzeit im mitteleuropäischen Hausrasenbereich noch nicht sprechen. Allerdings beobachten Fachleute, dass sich das Auftreten und die Bedeutung einzelner Krankheiten durch veränderte Witterungsverhältnisse verschieben können. Längere Hitze- und Trockenperioden setzen die Gräser unter Stress. Geschwächte Pflanzen reagieren grundsätzlich empfindlicher auf Krankheiten und andere Schadfaktoren. Gleichzeitig können längere feuchte Perioden oder hohe Luftfeuchtigkeit einzelne Pilzkrankheiten begünstigen.

Wie kann man dem am besten vorbeugen?

Die wirksamste Vorbeugung besteht deshalb nach wie vor darin, die Pflanzen möglichst vital zu halten. Dazu gehören eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung, angepasste Bewässerung, ausreichende Durchlüftung des Bodens sowie die Wahl standortgerechter Arten und Sorten. Ein gesunder Rasen besitzt die beste natürliche Widerstandskraft gegenüber Krankheiten.


Person trägt bunte Gummistiefel mit befestigten Rasenlüfterschuhen, ausgestattet mit Metallspikes, beim Aerifizieren eines grünen Rasens im Garten.

RASEN RICHTIG LÜFTEN

Oft machen verdichtete Böden, Staunässe oder Moosbewuchs diesem Ziel einen Strich durch die Rechnung. Genau hier kommt das Aerifizieren ins Spiel. Diese Technik sorgt dafür, dass die Graswurzeln wieder durchatmen können.

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Klee galt lange als Unkraut im Rasen. Heute werden ja seine Vorteile teilweise neu bewertet…

Ja, denn Klee besitzt aus pflanzenbaulicher Sicht einige interessante Eigenschaften. Als Leguminose kann er mit speziellen Bodenbakterien eine Symbiose eingehen und dadurch Luftstickstoff binden. Dieser Stickstoff steht anschließend dem Pflanzenbestand zur Verfügung und kann dazu beitragen, den Bedarf an zusätzlicher Stickstoffdüngung zu reduzieren.

Vor diesem Hintergrund wurden in den vergangenen Jahren speziell angepasste Weißklee-Sorten entwickelt, die unter Bezeichnungen wie Rasenklee oder Mikroklee angeboten werden. Diese Sorten zeichnen sich durch eine geringe Wuchshöhe, kleine Blätter und eine gute Verträglichkeit gegenüber regelmäßigem Mähen aus. Vor allem in extensiver gepflegten Gebrauchsrasenflächen oder naturnahen Grünflächen kann Klee daher einen positiven Beitrag leisten. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass für eine ausgewogene Pflanzenversorgung neben Stickstoff auch weitere essenzielle Nährstoffe wie Phosphor, Kalium, Magnesium oder Schwefel erforderlich sind. Klee ersetzt deshalb nicht grundsätzlich eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung.


Microclover: Klee statt Rasen

MICROCLOVER: KLEE STATT RASEN

Die spezielle Züchtung des Weißklees und die Mischung der Samen sorgt für ein dauerhaftes Grün.

© robertomorelli / istockphoto.com


Der Weißklee, der für Rasen verwendet wird, blüht der eigentlich auch?

Grundsätzlich ja. Allerdings wurden die heute verwendeten Mikroklee- und Rasenklee-Sorten gezielt dahingehend selektiert, dass sie deutlich seltener und weniger ausgeprägt blühen als herkömmlicher Weißklee. Gerade auf intensiv genutzten Rasenflächen ist eine starke Blütenbildung häufig nicht erwünscht. Blühender Klee kann beispielsweise verstärkt Bienen anlocken. Während dies aus ökologischer Sicht positiv zu bewerten ist, kann es auf Spiel- und Freizeitflächen zu Nutzungskonflikten durch Insektenstiche kommen. Das beste Beispiel ist hier das Freibad. Die im Rasen eingesetzten Spezialsorten stellen deshalb einen Kompromiss zwischen den positiven Eigenschaften des Klees und den Anforderungen an eine nutzbare Gebrauchsfläche dar.

Verabschieden wir uns damit gerade vom makellosen „Englischen Rasen“ im Hausgarten?

Nicht unbedingt. Vielmehr beobachten wir eine zunehmende Vielfalt an Rasenkonzepten. Ein hochwertiger Zierrasen nach klassischem Vorbild hat auch heute noch seine Berechtigung. Ebenso können naturnahe Kräuterrasen, die die Biodiversität fördern und Nahrungsquellen für Insekten bieten oder extensiv gepflegte Grünflächen sinnvoll sein. Entscheidend ist, welche Funktion die Fläche erfüllen soll. Ein Rasen, der intensiv für Spiel, Sport oder Erholung genutzt wird, muss andere Eigenschaften besitzen als eine Fläche, die vor allem ökologischen Zielen dient. Deshalb sollte zunächst die gewünschte Nutzung definiert werden. Anschließend können Mischung, Pflege und Entwicklungsziel auf diese Anforderungen abgestimmt werden.

Was halten Sie im Allgemeinen von Unkrautvernichtern für den Rasen?

Auch dieses Thema sollte sachlich und differenziert betrachtet werden. Aus meiner Sicht ist der Einsatz von Unkrautvernichtern im Privatgarten häufig nicht zwingend erforderlich. Viele Pflanzen, die als Unkraut bezeichnet werden, beeinträchtigen die eigentliche Funktion eines Hausrasens oft nur geringfügig. Anders kann die Situation aussehen, wenn sich bestimmte Arten sehr stark ausbreiten und die Nutzbarkeit der Fläche deutlich einschränken. Dann kann ein gezielter Eingriff durchaus gerechtfertigt sein.

Unabhängig von der gewählten Maßnahme sollte jedoch immer die Ursache der Verunkrautung betrachtet werden. Häufig sind Bodenverdichtungen, Staunässe, Nährstoffmangel, starke Beschattung oder Lücken in der Grasnarbe die eigentlichen Auslöser. Wird lediglich das Symptom bekämpft, ohne die Ursache zu beheben, kehren die Probleme meist früher oder später zurück. Langfristig erfolgreicher ist in vielen Fällen die Förderung eines dichten, gesunden Rasenbestandes, der unerwünschten Pflanzen von Natur aus weniger Raum bietet.


Eimer mit Unkraut im Garten

UNKRAUT IM RASEN

Unkraut ist nicht gleich Unkraut. Da sind zum einen die Pflanzen, deren Wirkung aufs Ökosystem – zum Beispiel in Zusammenhang mit Bienen – besonders wichtig ist. Und zum anderen gibt es Pflanzen, die sich so ausbreiten und andere am Wachsen stören, dass Sie sie ein wenig eindämmen sollten.

© DavidPrahl / istockphoto.com


Viele Gartenbesitzer vertikutieren jedes Jahr gegen Moos. Warum kommt es trotzdem immer wieder?

Moos ist in den meisten Fällen nicht die Ursache eines Problems, sondern ein Hinweis auf ungünstige Standort- oder Pflegebedingungen. Typische Ursachen sind Nährstoffmangel, Lichtmangel durch starke Beschattung, dauerhaft hohe Bodenfeuchtigkeit, Staunässe, Verdichtungen oder auch eine insgesamt geschwächte Grasnarbe. Unter solchen Bedingungen haben Rasengräser Schwierigkeiten, sich gegen Moos durchzusetzen. Ein Vertikutierer kann helfen, vorhandenes Moos zunächst mechanisch zu entfernen und die Fläche für Regenerationsmaßnahmen vorzubereiten. Die nachhaltige Lösung besteht jedoch darin, die Ursachen zu beheben. Dazu gehören beispielsweise eine verbesserte Nährstoffversorgung, die Reduzierung von Bodenverdichtungen oder die Wahl standortgerechter Gräser.

Nach dem Vertikutieren empfiehlt sich häufig eine Nachsaat geeigneter Rasensorten. So können entstandene Lücken rasch geschlossen werden. In stark vermoosten Flächen müssen solche Maßnahmen unter Umständen über mehrere Jahre wiederholt werden, bis sich ein stabiler und konkurrenzfähiger Rasenbestand etabliert hat.


Eine Gärtnerin in Gummistiefeln harkt nach dem Vertikutieren gelöstes Moos und Rasenfilz mit einem Fächerbesen zu einem Haufen auf einer grünen Rasenfläche im Garten zusammen.

MOOS IM RASEN

Verdichtete Böden, Nährstoffmangel, Staunässe oder zu viel Schatten schwächen die Gräser und schaffen Bedingungen, unter denen sich Moos leichter ausbreiten kann. Wer die Ursachen kennt und gezielt behebt, kann das Moos wirksam zurückdrängen und den Rasen dauerhaft stärken.

© Tosh Lubek / istockphoto.com


Das Düngen des Rasens ist für viele Hobbygärtner eine Wissenschaft für sich. Welche einfachen Grundregeln empfehlen Sie?

Die Düngung ist tatsächlich eine der wichtigsten, gleichzeitig aber oft vernachlässigten Pflegemaßnahmen. Für einen durchschnittlich genutzten Hausrasen reichen meist drei einfache Schritte:

1. Düngung im Frühjahr: Zum Vegetationsbeginn hilft eine ausgewogene Nährstoffversorgung beim Start in die Saison.

2. Erhaltungsdüngung im Sommer: Eine zweite Gabe während der Hauptwachstumsphase unterstützt die Vitalität und Regenerationsfähigkeit der Gräser.

3. Düngung im Herbst: Hier sollte ein kaliumbetonter Dünger bevorzugt werden. Kalium verbessert die Widerstandsfähigkeit gegenüber Frost und Winterstress.

Wichtig ist außerdem, Düngemittel möglichst gleichmäßig auszubringen und die empfohlenen Aufwandmengen einzuhalten. Nach dem Motto „viel hilft viel“ sollte beim Rasen keinesfalls gearbeitet werden.

Was ist Ihrer Ansicht nach der größte Fehler, den man bei einem Rasen machen kann?

Den einen großen Fehler gibt es eigentlich nicht. Häufig entstehen Probleme durch eine Kombination mehrerer Faktoren. Ein typischer Fehler, den Hausgartenbesitzer aus meiner Sicht gerne begehen, besteht darin, bereits sehr früh im Frühjahr intensive mechanische Pflegemaßnahmen durchzuführen. Viele Rasenflächen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend aktiv. Mit Vertikutiermaßnahmen sollte deshalb häufig etwas länger gewartet werden, bis die Gräser voll im Wachstum sind.

Ein weiterer Punkt ist die Diskussion um die Bewässerung. Natürlich sollte Wasser sparsam und verantwortungsvoll eingesetzt werden. In extremen Trockenjahren mit mehreren Wochen ohne nennenswerten Niederschlag kann jedoch eine gezielte, durchdringende Bewässerung sinnvoll sein, um den Rasen selbst und auch seine Funktionsfähigkeit am Leben zu erhalten. Auch aus Nachhaltigkeitssicht ist eine bedarfsgerechte Unterstützung während extremer Wetterphasen oftmals sinnvoller als eine später erforderliche komplette Neuanlage.



Was denken Sie, welche Trends in der Rasenforschung werden den Markt in den kommenden Jahren prägen?

Der wichtigste Forschungsschwerpunkt liegt derzeit eindeutig auf der Anpassung an den Klimawandel. Hierzu zählen die Entwicklung hitze- und trockenheitsverträglicher Gräserarten sowie die züchterische Verbesserung bestehender Arten. Besonders intensiv wird an der Steigerung von Stressresistenz, Wassernutzungseffizienz und Regenerationsfähigkeit gearbeitet. Daneben gewinnen biologische Verfahren zunehmend an Bedeutung. Hierzu gehören Pflanzenstärkungsmittel, Biostimulanzien sowie biologische Saatgutbehandlungen. Ziel ist es, die natürlichen Abwehr- und Regenerationsmechanismen der Pflanzen zu stärken. Das Potenzial in diesem Bereich ist groß und dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

Wenn ein Rasenbesitzer vor einem Problem steht, kann er sich dann an die Deutsche Rasengesellschaft wenden?

Selbstverständlich, das geschieht heute bereits regelmäßig. Denn die Deutsche Rasengesellschaft versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Anwendern. Wir bringen Experten aus Forschung, Greenkeeping, Saatgutwirtschaft, Landschaftsbau und vielen weiteren Bereichen zusammen. Deshalb stehen wir auch privaten Rasenbesitzern bei Fragen gerne beratend zur Seite. Darüber hinaus finden Interessierte auf unserer Homepage auch zahlreiche Fachinformationen, Praxisempfehlungen und aktuelle Beiträge rund um das Thema Rasen. Unser Ziel ist es, Wissen verständlich aufzubereiten und einen fachlich fundierten Dialog zwischen Theorie und Praxis zu fördern.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone Blaß verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung und berichtet seit mehr als fünf Jahren verstärkt über Garten- und Bauthemen. Ihr Ziel ist es, auch anspruchsvolle Inhalte anschaulich und praxisnah aufzubereiten. Unter anderem führt sie Interviews mit Experten von Verbänden und Hochschulen, um den Lesern verlässliche Orientierung und praxisnahe Tipps für ihre eigenen Gartenprojekte zu bieten. Als Senior-Online-Redakteurin bei Gartenbau.org verfasst die studierte Journalistin Beiträge über alles, was Gärten schöner und funktionaler gestaltet, von der Baumpflege über die Gestaltung von Beeten und Pflanzungen bis zu anspruchsvollen Projekten rund um Brunnen- oder Terrassenbau. Durch ihren eigenen Garten, den sie seit über zehn Jahren pflegt, kennt die Redakteurin die Herausforderungen und Bedürfnisse von Gartenbesitzern aus erster Hand und kann so Inhalte liefern, die direkt auf die Praxis zugeschnitten und leicht umsetzbar sind.